Der Musiker Stefan Ebert aus Mannheim ist bei „Panikherz“ und „Kleiner Mann – was nun?“ live im tap zu erleben.
Schillinger: Warum sind Sie Musiker geworden?
Ebert: Seit ich mich erinnern kann, habe ich Lieder geliebt, sie mir gemerkt und gesungen. Mit 15 fing ich an, eigene Songs zu schreiben, und das ist bis heute meine größte musikalische Leidenschaft. Irgendetwas an der einfachen Form von Strophen und Refrain, der Kombination von Text, Musik und Akkorden finde ich endlos faszinierend. Man kann kleine Momente beschreiben und eine ganze Welt damit öffnen. Man kann auch die ganz großen Worte benutzen, wenn die Musik trägt. Man kann fast nichts sagen und gleichzeitig alles. Ich liebe den kreativen Prozess, in dem ich mich selbst überraschen kann, wenn plötzlich etwas Neues entsteht und ich keine Ahnung habe, wo das wieder herkam.
Schillinger: Welche Ausbildung haben Sie?
Ebert: Ich habe an der Musikhochschule in Mannheim Schulmusik für Gymnasium studiert. Ich wollte nie Lehrer werden, hatte aber gehört, dass das Studium eine gute Rundum-Ausbildung bietet, um dann was Eigenes damit zu machen. Das hat sich gerade für die Theater-Arbeit sehr gelohnt. Für die verschiedene Stücke ist es sehr hilfreich, einen möglichst weiten musikalischen Horizont zu haben.
Wie und wann sind Sie zum theater am puls gekommen?
Ich habe 2018 als Gast bei Jürgen Ferbers Show „Liederlicher Abend“ gespielt. Nach der Show kam Joerg Mohr auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, bei der Produktion „Faust“ Musik zu machen. Ich habe zugesagt und war überrascht, wie entspannt, freudig und leicht die Arbeit mit Joerg und dem Ensemble von der Hand ging. Meiner kreativen Seite tut es sehr gut, einen Rahmen und einen Auftrag zu haben, eine Szene oder Stimmung, für die Musik gebraucht wird, und mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen ich mich wohlfühle.
Was war oder ist Ihre Lieblings"rolle"?
Ich mochte wirklich alle Stücke sehr gerne. Ein Highlight war “Tom Sawyer“ (2019). Das war erste Mal, dass ich ganze Songs für ein Stück geschrieben habe, also Text und Musik. Das waren sehr inspirierende Wochen und das Ergebnis hatte eine sehr runde Gesamtstimmung, irgendwo zwischen Country-Songs und Ennio Morricone–Westernmusik. Und „Der kleine Vampir“ 2022/23 blieb mir in besonderer Erinnerung, weil ich da meine Songs mit einer Punk-Band singen durfte.
Was ist das Besondere am tap?
Ach, wenn ich das so genau sagen könnte. Ich finde einfach alles, was am tap gemacht wird, ganz großartig und besonders. Man spürt, dass Joerg, Tess und alle Beteiligten ganz viel Liebe in jedes Detail der Produktionen investieren. Jedes Stück hat seinen eigenen Look und Tonfall. Und die Art, wie auf der Bühne gespielt wird, ist immer sehr natürlich und menschlich. Das berührt mich und ich genieße es sehr, in dem kleinen Theaterraum so nah dabei sein zu können. Ich bin großer Fan.
Welche Engagements haben Sie sonst noch?
Ich bin solo als Singer/Songwriter unterwegs, spiele Shows alleine mit Gitarre in kleinen Theatern, Kultur-Cafés, Wohnzimmern, auf Festivals und wo auch immer es sich ergibt. In den letzten Jahren haben mich auch drei befreundete Lieblingsbands im Vorprogramm mit auf Tour genommen: Dota Kehr, Lampe und ok.danke.tschüss. Ich mag die Bandbreite von wilden Rockshows und subtilen, konzentrierten Zuhör-Konzerten, die dabei je nach Publikum und Umgebung entsteht.
Haben Sie sonstige Interessen oder Hobbys?
Ein großes Interesse neben Musik ist das Werk des Psychologen und Philosophen Eugene Gendlin. Er hat in den 70ern eine Technik namens „Focusing“ entwickelt, die für mich die beste Beschreibung und Anleitung für den inneren kreativen Prozess ist, die ich kenne. Damit beschäftige ich mich viel, sowohl für die künstlerische Arbeit als auch für mich persönlich.