Im „theater am puls“ (tap) steht Johanna Withalm auch in dieser Saison wieder oft auf der Bühne. Die 41jährige Heidelbergerin, die an der Wiener Schauspielschule Krauss studiert hat, spielt wichtige Rollen in „Kleiner Mann - was nun?“ sowie „Gift. Eine Liebesgeschichte“. Auch in „Mephisto“ und „Tod eines Handlungsreisenden“ hat sie das Publikum nachhaltig beeindruckt. Birgit Schillinger vom Freundeskreis stellte der vielseitigen Künstlerin einige Fragen zur ihrem Leben und dem Verhältnis zum Schwetzinger Theater.
Birgit Schillinger: Warum sind Sie Schauspielerin geworden?
Johanna Withalm: Ich bin ein Theaterkind. Mein Vater war Opernsänger am Theater Heidelberg. Das war quasi meine Kinderstube. Der Moment, in dem "es stimmt", was auf der Bühne stattfindet, weil alle in höchster Konzentration aufeinander Acht geben, füreinander aufmerksam sind, Text, Spiel und Emotionalität verbinden, um gemeinsam mit dem Publikum Situationen zu kreieren, die uns ergriffen machen, zum Lachen oder Nachdenken bringen - diese besondere Magie hat mich als Kind gepackt und nicht mehr losgelassen.
Wie und wann sind Sie zum tap gekommen?
Nachdem ich in Israel, Wien, Dresden und Görlitz gelebt hatte, verschlug es mich 2020 wieder in die Heimat. Als ich meine Fühler nach Spielstätten in der Gegend ausgestreckt habe, stieß ich auf das tap und bin sehr glücklich darüber, hier einen Platz gefunden zu haben.
Haben Sie eine Lieblingsrolle?
Das ist schwer zu sagen. Jede Rolle bringt verschiedenste Herausforderungen mit sich. Das Schöne an diesem Beruf ist, dass man sich regelmäßig mit Menschen, deren Geschichte, ihrem Umgang mit ihrem Leben und somit mit sich selbst auseinandersetzen muss - und darf!
Was ist das Besondere am tap?
Ich schätze es ungemein, dass hier nicht der Weg des geringsten Widerstands gegangen wird. Privattheater stehen vor großen Herausforderungen. Es ist nicht immer einfach, die Ränge zu füllen. Da könnte man es sich leicht machen und (Zitat aus Mephisto) "Gassenhauer nach Gassenhauer" spielen. Hier aber wird weder eine gefällige Stückauswahl getroffen noch gefällig inszeniert. Das Theater, das hier stattfindet, ist relevant und in der Umsetzung extrem hochwertig und fordernd. Es wird ein Publikum angesprochen, das denken und sich nicht ausschließlich berieseln lassen möchte.
Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Ich glaube, dass ich eine gute Arbeitsmoral habe. Gerne konzentriert, zielstrebig und der Sache zuträglich bin, an der ich arbeite. Allerdings bin ich extrem schlecht organisiert. Eine gute Work-Live-Balance herzustellen ist eine große Herausforderung für mich.
Haben Sie sonstige Interessen oder Hobbys?
Neben meiner Tätigkeit als Spielerin bin ich außerdem Dozentin für Schauspiel. Ich mache regelmäßig Theaterprojekte mit Kindern und Jugendlichen und arbeite als Sprecherin. Ich bin Mama einer bald achtjährigen Tochter. Für klassische Hobbys bleibt nicht viel Zeit. Aber ich bin sehr gerne in der Natur, reite und reise, wenn immer es die Zeit zulässt.