Jürgen Ferber: Der Sänger und Gesangslehrer ist im Nordschwarzwald aufgewachsen, studierte und arbeitete viele Jahre in Köln und lebt nun seit über 27 Jahren in Schwetzingen. Jürgen Ferber gehört zu den Gründern des tap: Karin Rubik und Joerg Mohr gründeten 2006 die „theater am puls“-GmbH unter der künstlerischen Leitung von Joerg Mohr, Jürgen Ferber und dem 2024 verstorbenen Sascha Oliver Bauer. Jürgen Ferber tritt im tap mit seinem Soloprogramm „SchönFerberei“ auf.
Birgit Schillinger: Wie sind Sie zum Gesang gekommen?
Jürgen Ferber: Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter viel und gut gesungen hat. Damit hat sie mich quasi angesteckt. Und ich merkte bald, dass ich im Gesang Gefühle viel besser ausdrücken kann als beim Sprechen. Früh fing ich an, Lieder zu schreiben und bei Straßenmusik sowie in einer Rockband aufzutreten.
Schillinger: Wo haben Sie was studiert?
Ferber: Aus finanziellen Gründen hatte ich mich zunächst für ein BWL-Studium entschieden, merkte aber schnell, dass das nichts für mich ist. Deswegen begann ich, parallel dazu an der Kölner Musikhochschule Gesang zu studieren. Neben Auftritten in Opern und Musicals schrieb ich weiterhin eigene Lieder und wurde schließlich zur „Celler Schule“ berufen, einer von der Gema-Stiftung geförderten Masterclass für begabte Texter. Kollegen dort waren unter anderem Alin Coen, Marcel Brell und Bodo Wartke.
Schillinger: Wie sind Sie nach Schwetzingen gekommen?
Ferber: Nachdem ich in Köln meine beiden Studiengänge kombiniert hatte und sechs Jahre Geschäftsführer im Kulturmanagement war, bin ich 1998 dem Angebot gefolgt, ein neues Kulturzentrum, nämlich die Rudolf-Wild-Halle in Eppelheim, zu übernehmen. Schließlich bin ich in Schwetzingen heimisch geworden, wo 2007 auch meine Tochter zur Welt kam.
Schillinger: Wie kam es zur Gründung des „theater am puls“?
Ferber: Durch meine Eppelheimer Arbeit hatte ich Joerg Mohr kennengelernt, der zu diesem Zeitpunkt mit „Stephge“ eine sehr ambitionierte Jugendtheatergruppe in Pfaffengrund betrieb. Wir freundeten uns schnell an und kamen überein, dass wir unsere Theater-Leidenschaft professionalisieren wollten. Auf der Suche nach einer geeigneten Location stieß ich damals auf die Wollfabrik, wo wir zunächst im Festspielcharakter die „Schillernden Wochen“ spielten. Die Stadt Schwetzingen bot uns schließlich das Erdgeschoss des Bassermannhauses als Dauerspielstätte an.
Schillinger: Ihr Hauptberuf ist nun Stimm- und Gesangstrainer?
Ferber: 2003 machte ich mich selbständig als Gesangslehrer. Ich leite außerdem einen Popchor in Eppelheim. Zwischenzeitlich hatte ich bis zu vier Chöre, was ich allerdings mit meiner Erkrankung reduzieren musste.
Schillinger: Sie haben eine zweijährige Krankheitspause hinter sich.
Ferber: Im April 2024 bekam ich die Diagnose Leukämie. Acht Monate lag ich in der Heidelberger Uniklinik. Dann brauchte ich noch bis Mai 2025, bis ich ganz langsam wieder mit dem Gesangsunterricht und wenigstens einem Chor weitermachen konnte. Erst heute bin ich wieder in der Lage, eigene Konzerte zu spielen. Über die härteste Zeit meiner Krankheit habe ich ein Buch geschrieben: „Buddha in einem Jahr – Leukämie für Anfänger“.
Schillinger: Haben Sie andere Hobbys und Interessen?
Ferber: Ich lese auch sehr gerne und bin gerne in der Natur. Wenn es die Zeit zulässt, entwerfe und baue ich Möbel.
Schillinger: Was erwartet die Gäste im tap am 13.Februar 2026?
Ferber: Das Konzert ist für mich das erste seit zwei Jahren, insofern hat es für mich eine besondere Bedeutung. Ich habe wieder einige neue Lieder geschrieben, die mein Publikum noch nicht kennt, aber ich werde auch einige ältere Lieder spielen. Das Besondere an diesem Konzert wird aber sein, dass ich komplett auf Tontechnik verzichte. Angesichts immer mehr Technik in der Musik und inzwischen auch KI-produzierter Musik möchte ich ein Zeichen setzen und spiele ausschließlich auf akustischen Instrumenten und singe ohne Mikrofon.