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Die Leiden des jungen Werther
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Schauspiel
nach Johann Wolfgang Goethe
ca. 130 Minuten + eine Pause von 20 Minuten

Premiere: 1. Oktober 2022
Buch & Inszenierung: Joerg Mohr
Regieassistenz: Jana Schäfer

Bühne: Joerg Steve Mohr, Teresa Ungan, Bernd Spielbrink
Ausstattung: Teresa Ungan
Maske: Caecilia Lilli Neuweiler, Lisa Watanpour
Fotos: Nicole Böhm

Aufführungsrechte: Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin

Bitte beachten Sie, dass bei dieser Inszenierung Stroboskoplicht zum Einsatz kommt.

Es spielen:
Denis Bode, Thomas Cermak, Laura Kaiser
 

Goethes Briefroman erschien 1774 und avancierte in kürzester Zeit zum Bestseller. Es liest sich wie das Drehbuch zu einem Film. Und genau das hat Joerg Steve Mohr daraus gemacht, einen bilderreichen Theaterabend. Mohr schafft es, Goethes Text den einzelnen Figuren so in den Mund zu legen, dass ein spannender, unterhaltsamer sowie poetischer Theaterabend entstand. Werther, der auszog um seine Freiheit zu leben, verliebt sich in Lotte, die bereits mit Albert verlobt und so gut wie verheiratet ist. Albert, ein sichtlich liberaler Mensch, hat anfänglich nichts gegen die Freundschaft zwischen Lotte und Werther. Zu dritt verbringen sie eine tolle Zeit. Albert wird zum guten Freund, Lotte immer mehr zu der Frau, für die es zu Leben lohnt. Doch als bald steckt Werther in einem Dilemma. Er kann ohne Lotte nicht leben und möchte sie ganz für sich haben. »Eins von uns dreien muß hinweg« Ihm bleibt nur der eine Ausweg!

 

Am Samstag den 1. Oktober 2022 litt der junge Werther das erste Mal auf der Bühne des Theaters am Puls. Ein Text, den die meisten Interessierten aus der Schule kennen. Es ist ein Werk, das Briefe des jungen Mannes, der vom höchsten Glück in tiefste Verzweiflung taumelt und all das, was seine Seele bewegt, dem Freunde Wilhelm schreibt. Briefe, Briefe vom 4.Mai 1771 bis zum 20.Dezember 1772. Bis zu seinem Tode wenige Tage nach dem letzten Brief übernimmt der Autor die Botschaften. Die unbezähmbare Liebe überfiel den romantischen, freiheitsliebenden Mann zu Lotte, die noch nicht lange zuvor ihre Mutter verabschiedet hatte und nun den kleinen Geschwistern Mutter ist. Ihr ist Albert am Sterbebett der Mutter von dieser an die Seite gegeben worden, sodass beide die baldige Hochzeit planen. Als Werther Lotte kennenlernte, erfuhr er von dem Eheversprechen, fand sie aber alleine vor und verliebte sich in sie. „Noch nie war ich glücklicher …“, schreibt er und ist voller Hingabe, Entzücken und Leidenschaft. Er träumt, wünscht, hofft, ersehnt … vielleicht, aber sieht nicht. Erst als Albert auftritt wird die Realität klar und der Schmerz beginnt. Die alltäglichen Begegnungen werden zur Qual. Werther wird so weit in die Tiefen der Verzweiflung gerissen, dass er den Freitod mit der Pistole, die Lotte zuvor berührt hatte, wählt. Joerg Mohr hat diese Sammlung von Briefen Gespräche und Szenen werden lassen. Sehr sensibel empfunden lässt er Werther auf der Drehbühne im Gewächshaus leben. Lotte und Albert leben drumherum und dringen nur dann und wann in das Karussell der Empfindungen ein. Es ist Joerg Mohr gelungen, die Gefühle von Werther zu Lotte facettenreich und nuanciert zu zeigen, jene von Lotte zu Werther herzlich, vertraut und leicht, ohne Erotik und Anzüglichkeiten zu beleuchten und Albert teilnehmend, begleitend, stützend, dann auch Grenze setzend auftreten zu lassen. So können wir als Zuschauende in die große Welt der tiefen Empfindungen tauchen. Denis Bode verkörpert Werther so wahrhaftig, lässt Freud und Leid, Glück und Verzweiflung so authentisch lebendig werden, dass es für die Zuschauenden ein Leichtes ist, die eigenen Gefühlsbilder der Liebe zu sehen. Laura Kaiser hat es geschafft, Lotte froh und glücklich, berührt, offen und ehrlich empfindend, leidend und lachend auftreten zu lassen und dabei keine Zweckgedanken und Eitelkeiten aufkommen zu lassen. Thomas Cermak lässt Albert ruhig und besonnen, dabei herzlich und teilnahmsvoll all die Gefühle der anderen begleiten. Erst als er gewahrt, dass Werther des Wahnsinns ist und im Begriff ist, Lotte mitzureißen, grenzt er sich und Lotte von Werther ab. Wir heute lebenden sind es meistens nicht gewohnt, mit anderen einen Herzweg zu gehen. Zu schnell haben wir psychologische und rationale Tipps und Ratschläge parat. Wenn wir aber die Inszenierung von Joerg Mohr im Theater am Puls erleben, können wir dies und die eigenen Seelentiefen gewahren. 
(Samiya Bilgin)

 



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